zurück zur Übersicht Dienstag, 24.01.2012

Doppelmayr Kabinenbahnen: HD über den Wolken

Was haben Singapur, Koblenz und Lenzerheide gemeinsam? Ganz einfach: In allen drei Orten schweben Kabinenbahnen von Doppelmayr – und befördern Touristen und Einheimische in luftiger Höhe an ihr Ziel. Für beste Unterhaltung über den Wolken sorgt Hightech-Multimedia-Equipment von PKE.

2012 01 24 Doppelmayr Kabinenbahnen

Wer regelmäßig in den Alpen Ski fährt, der kennt – und schätzt! – auch die Sessel- und Kabinenlifte von Doppelmayr, die in den letzten Jahren immer mehr die unbequemen Schlepplifte verdrängt haben. Weniger bekannt hingegen ist, dass der Siegeszug der Doppelmayr- Lifte inzwischen in vielen Metropolen auf der ganzen Welt weitergeht: In immer mehr Großstädten etablieren sich die leisen und abgasfreien Kabinen als moderne Alternative zu S- und U-Bahn.

Ni hao and Welcome to Sentosa Island
Zu den Kronjuwelen auf der imposanten Referenzliste von Doppelmayr gehört seit 2010 die Stadtseilbahn in der 5-Millionen-Metropole Singapur, die in luftiger Höhe die Mount Faber Jewel Box Station mit der Freizeitinsel Sentosa verbindet. Die für bis zu acht Personen ausgelegten, rundum verglasten Kabinen bieten den Passagieren auf der rund zwölfminütigen Überfahrt eine spektakuläre Aussicht auf die Hafenumgebung, begleitet an Bord von einem interaktiven Infotainment- Angebot. „Die Installation war auch für uns eine Premiere“, so Norbert Feuerstein, Verkaufsleiter für die Region Südostasien bei Doppelmayr. „Wir haben hier, in Zusammenarbeit mit der PKE, erstmals Kabinen mit einem Hightech-Multimedia-System für die Fahrgäste ausgerüstet.“ Ein Konzept, das offenbar bestens ankommt. So wurde die Seilbahn jüngst von der International Association of Amusement Parks and Attractions als Asiens populärste Attraktion im Jahr 2011 in der Kategorie „Grand Winner“ ausgezeichnet. Norbert Feuerstein verrät, wie es zur Installation der multimedialen Infotainment-Systeme kam: „Die erste Idee war, je nach aktueller Fahrposition typische Touristeninformationen wie ‚Links sehen Sie den Hafen, dahinter am Horizont den Singapore Flyer‘ und so weiter in die Kabinen einzuspielen. Und da die Gäste ja sehr international sind, sollten sie bei diesen Einspielungen aus sechs Sprachen auswählen können.“ Die Geburtsstunde für das Infotainment-System, denn: „Damit hatten wir über die Systemanforderungen schon einen halben Computer in jeder Kabine. Da war der nächste Schritt nicht mehr weit, das Konzept zur Infotainment-Lösung mit in der Kabine verstecktem Multimedia-PC plus großem 12-Zoll-Touchscreen aufzubohren.“ So können die Passagiere jetzt aus einer Fülle von Inhalten wählen: Die Wettervorhersage ist ebenso abrufbar wie ein Hotelbuchungsservice oder das Konzertprogramm der Stadt – und natürlich jede Menge Infos zu den Attraktionen auf Sentosa Island und dem Angebot der gastronomischen Betriebe in der Jewel Box Mount Faber.

Stromversorgung via Supercup
In Zeiten, in denen in jeder U- und SBahn Flatscreens hängen, mag Multimedia in der Seilbahn für den Laien zunächst nicht sonderlich außergewöhnlich klingen. Doch es gibt viele Gründe, warum solche Projekte im Umfeld der Kabinenbahnen erst seit einigen Monaten möglich sind: „In einer Seilbahn fehlen alle technischen Voraussetzungen für das Abspielen von Filminhalten – und wir sprechen da nicht von PC-Hardware, sondern von grundlegenden Faktoren wie Stromversorgung und Netzwerkanbindung“, erklärt PKE-Projektleiter Thomas Geier. Die einfachste Lösung für die Stromversorgung in einer Seilbahnkabine ist ein simpler Akku. Er liefert tagsüber den Strom und wird nachts über Stromschienen im Bahnhof oder per Ladegerät aufgeladen. „Akkus funktionieren in Seilbahnen äußerst zuverlässig – allerdings müssen sie gewartet und nach einigen Hundert Ladezyklen ersetzt werden“, erklärt Thomas Geier. Und gegen herkömmliche Akku-Technik sprach: „Das wäre viel zu schwer geworden mit dem, was wir alles an Technik einbauten. Wir wären auf ein Mehrgewicht von rund 120 Kilogramm pro Kabine gekommen. Im wahrsten Sinne des Wortes kein tragfähiger Ansatz für die Stromversorgung“, so Norbert Feuerstein. Das Schweizer Unternehmen CWA, Hersteller der Kabinen, entwickelte eine sehr viel elegantere Lösung: Supercups, extrem leistungsfähige Superkondensatoren, die auf dem Kabinendach montiert werden und sich bei jedem Stationsdurchlauf über eine Stromschiene aufladen. Der Clou daran: Supercups sind wartungsfrei und haben eine viel längere Lebensdauer als Batterien. „Wir sprechen hier von bis zu zehn Millionen Ladezyklen“, verrät Norbert Feuerstein.

WLAN-Roaming in 120 Meter Höhe
Um die Touchscreens durchgehend mit neuen Inhalten beschicken zu können, galt es, jede der Kabinen in Singapur an einen zentralen Content-Server anzubinden. PKE empfahl als Übertragungstechnik ein Wireless LAN mit Multi-Cast in alle Kabinen. Die Herausforderung dabei: Die WLAN-Empfänger in den Kabinen befinden sich ständig in Bewegung, schwanken je nach Wetterlage und rattern mitunter ruppig über die Masten. Hinzu kommt, dass die etwa 1.650 Meter lange Fahrstrecke mit mehreren WLANs abgedeckt werden musste, zwischen denen die Kabinen immer wieder hin- und herroamen. Thomas Geier: „Um eine stabile Netzwerkverbindung aufrecht zu erhalten, haben wir jede Kabine mit zwei Antennen ausgestattet, eine in und eine gegen die Fahrtrichtung. Unser Ziel dabei war es, über die ganze Strecke stabile sechs bis acht Megabit pro Sekunde zu halten, um eventuell sogar Live-Übertragungen von HDTV zu ermöglichen.“ Die IP-Anbindung bietet auch unter Wartungsgesichtspunkten viele Vorteile: PKE und Doppelmayr können sich von einem Regiearbeitsplatz in Österreich aus jederzeit auf einzelne Kabinen aufschalten, um Fehler zu beheben oder Einstellungen zu ändern. Nicht zuletzt die teils extremen klimatischen Verhältnisse sprechen für ein solches Remote-Betreuungskonzept. „Sie haben nicht selten die gesamte Skala eines typischen Tropenwetters an einem Tag – von brütender Hitze bis zu Tropenstürmen, bei denen es wie aus Kübeln schüttet; und dann natürlich die enorm hohe Luftfeuchtigkeit, die sich oft deutlich über der 90-Prozent-Marke bewegt. Das ist ein Wettermix, der ausgesprochen hohe Anforderungen an das Equipment stellt. Da schläft man ruhiger, wenn man im Fall des Falles via Datenfernverbindung um den halben Globus nach dem Rechten sehen kann“, so Thomas Geier. Bemerkenswert: „Bislang bestand in der Praxis dafür noch keine Notwendigkeit“, weiß Thomas Geier zu berichten, „aber zu Testzwecken haben wir von Dornbirn aus einmal alle Kabinen in Singapur hell erleuchtet.“

Von heis nach kalt
Unmittelbar nach dem erfolgreichen Piloten im südostasiatischen Stadtstaat starteten Doppelmayr und PKE das zweite gemeinsame Kabinenbahnprojekt im Schweizer Skigebiet Lenzerheide. Die Aufgabenstellung war ähnlich, die Bedingungen jedoch gänzlich anders: „Während in Singapur Hitze und Feuchtigkeit die Herausforderungen für die Technik sind, muss diese in Lenzerheide vor allem mit der Eiseskälte zurechtkommen“, erzählt Thomas Geier. „Nachts fallen dort die Temperaturen im Außenbereich auf deutlich unter 20 Grad minus. Gewöhnliche PCs und Monitore würden da in die Knie gehen.“ PKE stattete die Kabinen in Lenzerheide daher mit Temperaturfühlern im Innenraum und im Monitor aus, die bei bestimmten Grenzwerten Alarm im Leitstand schlagen. Zusätzlich sind die Kabinenbildschirme mit einer Heizfolie beschichtet, die sie jeden Morgen automatisch auf 0 Grad vorheizt. Dann können PCs und Monitore gefahrlos gestartet werden. Seit der Wintersaison 2010/2011 ist das Multimedia-System in Lenzerheide in Betrieb und informiert Ski- und Snowboardfans bei der Bergfahrt über aktuelle Attraktionen, Events und Angebote im Skigebiet. Im kommenden Jahr soll das Info-System dann vor allem mit spannendem Content rund um den Ski-Weltcup 2012 befüllt werden.

Blühende Landschaften in Koblenz
Das dritte Gemeinschaftsprojekt realisierten Doppelmayr und PKE auf der deutschen Bundesgartenschau 2011 in Koblenz. Doppelmayr zeichnete dort für die Installation einer über das gesamte BuGa-Gelände gespannten Kabinenbahn verantwortlich – und stattete diese auch mit entsprechend leistungsstarkem Multimedia-Equipment aus. „Die Technik ist in Koblenz in Grundzügen die gleiche wie in Singapur und Lenzerheide, zwar ohne Touchscreen-Infotainment, allerdings mit einer Glasbodenkamera an einer der Kabinen“, berichtet Thomas Geier. Diese filmt während der Fahrt das gesamte Areal und überträgt die spektakulären Bilder an über das Gelände verteilte Video-Screens. Zu den Besonderheiten des Sicherheitskonzepts in Koblenz zählen die 360°-Dome-Kameras für die Videoüberwachung sowie robuste Monitor-Gehäuse, die selbst dem heftigsten Gedränge standhalten. Wie in Singapur und Lenzerheide realisierte PKE auch in Koblenz die Intercom-Anlage für Notrufe und das Einsprechen von Ansagen sowie einen zentralen Operator-Arbeitsplatz im Leitstand, vom dem zentralisiert über eine grafische Benutzeroberfläche die Steuerung erfolgt.

London Calling
Doppelmayr und PKE stehen inzwischen in den Startlöchern für das vierte gemeinsame Projekt: London rüstet sich für die Olympischen Spiele; zwischen Greenwich und den königlichen Docks wird sich dann eine hochmoderne Cable Car-Verbindung über die Themse spannen. Gehört Multimedia gar bald zur Standardausstattung jeder neu errichteten Seilbahn? Gerade in den Bereichen Urban Transport, Event- und Standort-Marketing braucht man kein Prophet zu sein, um dem Upgrading von Kabinenbahnen mit Infotainment-Angeboten einen Boom zu prognostizieren. Dazu Norbert Feuerstein: „Sicherlich liegen die Investitionskosten für den Auftraggeber zunächst einmal höher. Mit den Infotainment-Systemen haben die Betreiber aber eine hochattraktive Werbeplattform an Bord, die zusätzliche Einnahmen in die Kassen spült. Bei einer geschickten Vermarktung haben sich die Mehraufwendungen schnell amortisiert – weiche Faktoren wie Imagegewinn und so weiter gar nicht einmal mit eingerechnet.“

Quelle: www.seilbahn.net

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